Der Scan‑to‑CAD‑Prozess: 

1. Punktwolke in die CAD‑Software einlesen

Der erste Schritt klingt banal, ist aber entscheidend. Die Punktwolke wird in eine CAD‑ oder BIM‑Software importiert – häufig ReCap, AutoCAD, BricsCAD, ArchiCAD oder Revit.
Je nach Software wird die Punktwolke vorher konvertiert, komprimiert oder segmentiert, damit sie flüssig dargestellt werden kann.

Typische Fragen in dieser Phase:

  • Welche Auflösung ist sinnvoll?
  • Welche Bereiche brauche ich wirklich?
  • Wie groß darf die Datei sein, damit sie noch performant läuft?

Gerade bei großen Projekten – etwa einer alten Industriehalle in Bielefeld – kann die Punktwolke mehrere Gigabyte groß sein. Eine gute Vorbereitung spart später viel Zeit.

2. Ausrichten der Punktwolke

Die Punktwolke liegt nach dem Import selten perfekt im Koordinatensystem.
Wände stehen schief, das Gebäude ist leicht verdreht oder der Scanner hat sich an einer Stelle minimal verschoben.

Deshalb wird die Punktwolke zunächst:

  • horizontal ausgerichtet (Boden wird auf 0° gesetzt)
  • vertikal korrigiert (Wände werden orthogonal gestellt, sofern sie es in der Realität sind)
  • am Koordinatensystem verankert (z. B. Gebäude-Ecke auf 0/0/0)

Dieser Schritt sorgt dafür, dass später alle Schnitte, Ansichten und Maße sauber funktionieren.

3. Bereinigen und Zuschneiden

Eine Punktwolke zeigt alles – auch Dinge, die man nicht braucht:

  • Fahrzeuge
  • Möbel
  • Pflanzen
  • Passanten
  • Baustellenmaterial

Damit die CAD‑Arbeit übersichtlich bleibt, wird die Punktwolke bereinigt.
Das bedeutet:

  • störende Bereiche entfernen
  • unnötige Punkte ausblenden
  • einzelne Geschosse isolieren
  • Decken und Böden trennen

In der Praxis sieht das oft so aus:
Man sitzt vor der Punktwolke eines Altbaus, zoomt hinein, blendet Möbel aus, schneidet die Decke weg und erkennt plötzlich die tragenden Strukturen viel klarer. Genau das macht die weitere Arbeit effizient.

4. Strukturieren: Geschosse, Schnitte, Ebenen

Jetzt beginnt der eigentliche CAD‑Workflow.
Die Punktwolke wird in logische Bereiche unterteilt:

  • Erdgeschoss
  • Obergeschosse
  • Dachgeschoss
  • Keller
  • Fassadenbereiche
  • Installationszonen

Für jedes Geschoss wird eine eigene Arbeitsansicht erstellt.
Das erleichtert die Orientierung und verhindert, dass man versehentlich Punkte aus anderen Ebenen erwischt.

5. Von Schnitt zu Schnitt arbeiten

Ein typischer Scan‑to‑CAD‑Prozess läuft so ab:

  1. Man legt einen horizontalen Schnitt durch die Punktwolke – meist auf 1,00 m oder 1,10 m Höhe.
  2. Dieser Schnitt zeigt die Wandkonturen, Türöffnungen und Raumgeometrien.
  3. Auf dieser Basis werden die Grundrisse gezeichnet.
  4. Danach folgen vertikale Schnitte, um Höhen, Deckenstärken und Dachformen zu erfassen.
  5. Für jede Etage wird dieser Prozess wiederholt.

Viele beschreiben diesen Workflow als „digitales Durchwandern“ des Gebäudes.
Man bewegt sich virtuell von Raum zu Raum, Etage zu Etage – und zeichnet das Gebäude so, wie es wirklich ist.

6. Grundrisse, Schnitte, Ansichten und Modelle erstellen

Aus den Schnitten entstehen nach und nach alle relevanten Planunterlagen:

  • Grundrisse
  • Schnitte
  • Ansichten
  • Detailzeichnungen
  • 3D‑Modelle (optional BIM)

Der Vorteil:
Die Punktwolke liefert alle Informationen, die man braucht.
Man muss nicht mehrfach zur Baustelle fahren, um Maße nachzuholen.
Gerade bei Projekten in Bielefeld, bei denen die Anfahrt oder der Zugang schwierig ist, spart das enorm viel Zeit.

Praxisbeispiele aus Bielefeld und OWL

Altbau in Bielefeld

Ein typisches Szenario:
Ein Gründerzeithaus soll modernisiert werden.
Die alten Pläne stimmen nicht mehr, Wände wurden versetzt, Leitungen ergänzt, Decken teilweise abgehängt.

Nach dem Laserscanning zeigt die Punktwolke:

  • unregelmäßige Wandstärken
  • leichte Schiefstellungen
  • versteckte Installationen

Durch das strukturierte Arbeiten in Schnitten konnten die Grundrisse innerhalb weniger Tage sauber rekonstruiert werden – ohne Überraschungen im Bauantrag.

Vorteile für Architekten, Ingenieure und Bauherren

1. Präzision ohne Interpretationsspielraum

Die Punktwolke zeigt die Realität – nicht das, was einmal geplant war.

2. Weniger Ortstermine

Nachträgliche Messfahrten entfallen fast vollständig.

3. Schnellerer Planungsstart

Die CAD‑Pläne sind schneller fertig, weil alle Daten vorliegen.

4. Bessere Kommunikation

Alle Beteiligten sehen dasselbe Modell – Missverständnisse werden reduziert.

5. Zukunftssicherheit

Wer heute ein Gebäude digitalisieren lässt, schafft die Grundlage für BIM‑Modelle, Simulationen und spätere Umbauten.